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Rodney Waterman


Frederic G. Morgan • Blockflötenbauer

8.4.1940 - 16.4.1999

[English : Español]]


            Daylesford Workshop 1984, Aged 44 yrs (Nola Ryan, VRG)
Sein profundes Verständnis der historischen Blockflöten inspirierte seine kreative Meisterschaft als Instrumentenmacher.

Als der Blockflötenvirtuose und Dirigent Frans Brüggen mit seinem Orchestra of the 18th Century 1985 durch Australien tourte, spielten die Mitglieder des Orchesters auf Instrumenten der größten Künstler des 17. und 18. Jahrhunderts. Der Maestro selber spielte auf Blockflöten, die von Frederic G. Morgan aus Daylesford gemacht waren.

Fred, der im April mit 59 Jahren bei einem Autounfall ums Leben kam, hatte international den Ruf, einer der größten Künstler des modernen Blockflötenbaus zu sein. Auf Hunderten von Tonträgern, eingespielt von den besten Spielern der Welt, lassen sich seine Instrumente hören.

Als Sohn von Frank und Violett Morgan begann er mit 12 Jahren Blockflöte zu spielen. Sein älterer Bruder David spielte Klavier. Fred hat später am Melbourne Technical College das Fach Gebrauchskunst studiert.

1959 nahm er einen Gelegenheitsjob in der Pan Blockflötenfabrik in Horthorne an, wo Ade Monsbourgh, der australische Jazzer, seit 1951 Schulblockflöten herstellte. Hier entstand Freds Liebe zum Blockflötenbau, und er blieb 10 Jahre bei Pan.

Fred war ein sehr guter Blockflötenspieler. Als Solist trat er beim Melbourne-Bachfestival mit den Tudor Choristers und dem Melbourne Chorale auf. Das Frederic-Morgan-Recorder-Consort gab zwischen 1964 und 1969 viele Konzerte und wurde oftmals von Freds erster Frau Jan auf dem Klavier begleitet. Mit dem englischen Blockflötenspieler Carl Dolmetsch und dem Paul-McDermott-Streichquartett führte Fred 1966 Bachs 4. Brandenburgisches Konzert in der Wilson-Hall an der Melbourner Universität auf. Sie benutzten Blockflöten, wie Bach es gewollt hatte, und nicht ­ wie oft zu hören ­ Orchesterflöten. Die Early-Music-Bewegung hatte in Australien ernsthaft begonnen. Fred hat während seines gesamten Lebens aktiv gespielt, besonders in den 1970er Jahren mit seiner Frau Ann Murphy, die eine der führenden australischen Cembalistinnen ist. Aber seine Zeit wurde mehr und mehr von den Forderungen des Blockflötenbaues in Anspruch genommen.

1970 hatte er durch ein Churchill Stipendium die Möglichkeit, europäische Museen zu besuchen, um historische Blockflöten zu vermessen und technische Zeichnungen anzufertigen. Die profunden Kenntnisse, die er aus diesen Studien gewann, wurden die Grundlage seiner Kunst des Instrumentenbaus. Er hatte auch Blockflötenstunden bei Brüggen in Amsterdam und hatte den Mut, ihm einige seiner selbstgebauten Instrumente zu zeigen. Brüggen war beeindruckt und machte sein großes Talent bekannt. 1973 kaufte er selbst seine erste Morgan-Blockflöte.

Als Freds Blockflöten 1972 beim Musica Antiqua Wettbewerb in Brügge Aufsehen erregten, war seine Zukunft als Blockflötenmacher gesichert. Sechs Spieler benutzten tiefgestimmte Morgan-Sopranflöten für das Sammartini-Konzert. Innerhalb weniger Tage war seine Werkstatt, die damals in Fitzroy (Melbourne) war, mit internationalen Bestellungen überschüttet.

Er war ein sorgfältiger Handwerker und besonders geschickt beim voicing, dem letzten Formen des Windkanals, das die Klangqualität der Blockflöte festlegt. Eine Anmerkung in dem Booklet einer CD des schwedischen Blockflötisten Dan Laurin weist darauf hin: Herzlichen und tiefempfundenen Dank an Fred Morgan, meinen Blockflötenbauer, der mir eine Stimme gegeben hat, mit der ich singen kann.

Fred schrieb einmal, daß der Charakter einer Blockflöte durch vier wichtige Merkmale bestimmt würde: Ansprache, Intonation, einen schönen Ton und eine kunstfertige Erscheinung. Er fand Gefallen daran, ungewöhnliche Blockflöten in ungewöhnlichen Stimmungen herzustellen. Er hat als einer der ersten die moderne Ganassi Flöte entwickelt, die heute das beliebteste Instrument für frühbarocke und Renaissancemusik ist.

1982 besuchte er Dänemark, um zwei Flöten aus Narwal-Zahn zu vermessen, die im 17. Jahrhundert für König Christian IV. gemacht worden waren. Die dänische Blockflötistin Eva Legêne hatte die beiden Instrumente erst kurz zuvor im Schloß Rosenborg entdeckt. Fred machte von diesem Original ein paar exquisite Kopien aus Ahorn, und ein paar Jahre später stellte er ein Paar aus Narwalzähnen her, die ihm Eva Legêne besorgt hatte.

Großzügig und geduldig teilte Fred sein Wissen und sein Geschick mit allen Musikern und Instrumentenmachern, die zu seiner Werkstatt gepilgert kamen. Er war ein beliebter Gast bei Musikkursen und Festivals, außerdem ein guter Redner und Dozent, und er schrieb viele Artikel, die in australischen und internationalen Fachzeitschriften veröffentlicht wurden. Er war Schirmherr der Victorian Recorder Guild und Mitherausgeber des Journals dieser Vereinigung.

1978 eröffnete Fred eine Werkstatt in Amsterdam, um sowohl den großen europäischen Spielern als auch den für ihn so inspirierenden historischen Instrumenten näher zu sein. Während dieser Zeit unterrichtete er Blockflötenbau am Königlichen Konservatorium in Den Haag und vermaß und zeichnete alle historischen Instrumente der Sammlung Frans Brüggen. 1981 gab der Verlag Zen-On seine Bauzeichnungen in einem schönen Buch heraus.

Letztlich aber war die Hektik Amsterdams kein Ersatz für die Abgeschiedenheit des ländlichen Victoria. Freds Herz stand der blühenden Landschaft um Wombat Hill (Daylesford) näher. Hierhin kehrten er und Ann 1982 zurück.

1986 zog Fred mit seiner Werkstatt in allernächste Nähe seines Elternhauses in Snake Hill, Coomora, nordöstlich von Daylesford. Dort setzte er sein Werk fort. Er experimentierte bis zuletzt mit neuen Blockflötenformen. Sein Drang zur Vervollkommnung und Innovation erlahmte nicht, und nie war er mit dem Erreichten zufrieden.

Fred war in seinem Wesen freundlich und schüchtern, außerdem ein Riese von einem Mann, und es ist bemerkenswert, daß seine großen Hände zu solcher Finesse fähig waren. Fred wird durch seine Instrumente weiterleben, und die Welt wird sich auch weiterhin vom Zauber seiner Handwerkskunst entzücken lassen.

Er hinterläßt seine Ehefrau Ann, ihre gemeinsamen Söhne Ben und Finn sowie Sally, seine Tochter aus erster Ehe.

Rodney Waterman (Übersetzung: S. Haase-Moeck)
TIBIA · Magazin für Holzbläser
24.Jahrgang · Heft 3/99 [559-560]

[Der australische Blockflötist und Komponist Rodney Waterman lernte Fred Morgan 1976 kennen. In den letzten Jahren arbeitete er regelmäßig an zwei Tagen pro Woche in Morgans Werkstatt mit]

Konnen Sie mir helfen?
Ich stelle ein Verzeichnis aller Einspielungen zusammen, in denen Instrumente von Fred Morgan zu hören sind. Sollten Sie von solchen Einspielungen wissen, nennen Sie mir bitte den Komponisten, das Stücke, den Blokflötisten/Ensemble, das Instrument, die Nummer des Tonträgers usw.


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