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ieses Andachtsbüchlein verbindet ein besonderes Schicksal mit dem bewegten Leben seiner ersten Besitzerin. Das Gebetbuch wurde für Renée de France, die Tochter des französischen Königs Ludwig XII. und der Anne de Bretagne, in Auftrag gegeben - illuminiert in Paris um 1520. Es sollte zur Erziehung der jungen Königstochter in religiösen Dingen dienen. Renée nahm ihr Gebetbuch auch mit nach Ferrara, nachdem sie sich 1528 mit dem Herzog Ercole II. d'Este vermählt hatte.
Aber schon zuvor hatte sich Renée für den zu dieser Zeit aufkommenden Protestantismus interessiert. Aufgrund ihrer Verbindungen zu den Hugenotten und Calvinisten, denen sie am Hofe Ferraras Zuflucht gewährte, wurden schließlich um 1554 alle ihre Bücher, die als häretisch galten, von den Inquisitoren verbrannt. Nur einige wenige, die als katholisch treu galten, wurden gerettet - unter ihnen auch unser Blumengebetbuch. Nach dem Tode ihres Gemahls, des Herzogs, verließ Renée 1560 Ferrara wieder, um sich auf Schloß Montargis in Frankreich zurückzuziehen. Aus noch heute unbekannten Gründen rnußte sie ihr kleines Gebetbuch jedoch in Italien zurücklassen. Es blieb noch bis in die ersten Jahre des 18. Jahrhunderts in der Bibliothek der Este.
Zu diesem Zeitpunkt verschwand die Handschrift auf geheimnisvolle und ungeklärte Weise, um erst 1780 unter mysteriösen Umständen wieder aufzutauchen, als sie der Bibliothekar Tiraboschi wieder in die herzogliche Bibliothek eingliederte, ohne jedoch nähere Angaben über ihre Herkunft zu machen. Die Handschrift blieb darauf in der Bibliothek bis 1994 sicher verwahrt. In diesem Jahr konnte die Abtei von Montecassino das Gebetbuch anläßlich der großen Ausstellung «Andächtig vortragen - Im Stillen beten» in die Abtei holen und ausstellen. Dabei wurde die Handschrift jedoch gestohlen und ist bis heute nicht wieder aufgetaucht.
Glücklicherweise hatte die Leitung der Biblioteca Estense kurz zuvor die kostbare Handschrift vollständig photographisch dokumentieren lassen. Mit der nun erfolgten Realisierung der Faksimilierung durch den Faksimile Verlag Luzern in Koedition mit dem Verlag Il Bulino kann das Gebetbuch nun der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht werden.
Mit Genehmigung des Ministero di Beni Culturali und in Zusammenarbeit mit der Biblioteca Estense in Modena wird das Blumengebetbuch der Renée de France vom Faksimile Verlag Luzern als Faksimile-Ausgabe im Originalformat von 122 x 88 mm wiedergegeben. Es umfaßt 52 Seiten mit insgesamt 12 reich mit Gold versehenen Miniaturen. Alle Textseiten sind mit feinsten kolorierten und vergoldeten floralen Verzierungen geschmückt. Prachtvolle Blumen aller Arten verwandeln die Handschrift in ein Blumenmeer. 112 bemalte und mit Gold versehene Initialen gliedern den Text, der in lateinischer und französischer Sprache gehalten ist.
Die Auflage erscheint als Koedition in einer Weltauflage von 999 Exemplaren. Die für den deutschsprachigen Raum reservierte Edition des Faksimile Verlags Luzern ist auf 666 Exemplare beschränkt.
Der Einband der Handschrift im Stil des 18. Jahrhunderts aus weichem Saint in Altrosa wird von einem mit Silberfäden gestickten Wappen geschmückt. Dieses ist von einem Rahmen, ebenfalls aus Silberfäden, umgeben. Die Gesamtausgabe, bestehend aus dem Faksimileband und dem Kommentarband, wird in einer mit Leder bezogenen und mit Blindprägung versehenen Holzkassette geliefert; das Innere ist mit Atlasstoff verkleidet.
Der wissenschaftliche Kommentarband mit Beiträgen von Dr. Ernesto Milano, Direktor der Biblioteca Estense, und Myra D. Orth ist der Schlüssel zum Verständnis der Handschrift.
