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Die Kennicott Bibel


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Ein Meisterwerk hebräischer Illumination
15. Jh.


[D]ie berühmte Kennicott Bibel, eines der prächtigsten erhaltenen mittelalterlichen spanischen Manuskripte, wird zur Zeit als Faksimile Ausgabe herausgebracht. Endlich ist es möglich, die Lektüre eines vollständig vokalisierten und massorierten Textes zu geniessen: handgeschrieben in der wunderschön klaren Sephardi Schrift des Mittelalters, herrlich illuminiert und gebunden in einer originalgetreuen Nachahmung des Schachteleinbandes.

Die Bibel und die grammatische Abhandlung von David Kimchi wurde 1476 vom Schreiber Moses Ibn Zabara im Auftrag von Isaac, dem Sohn von Don Solomon di Braga von La Coruña im Nordwesten Spaniens, kopiert. Als Schutzherr kannte und begehrte er zweifellos die Cervera Bibel von 1300, die im 15. Jahrhundert in La Coruña existierte. Da er sie nicht erwerben konnte, gab er den Auftrag, eine ähnliche Bibel zu schreiben und zu illuminieren. Das Ergebnis ist die Kennicott Bibel.

Das Manuskript, das fast zwanzig Jahre vor der endgültigen Austreibung der Juden aus Spanien im Jahre 1492 geschaffen wurde, zu einer Zeit als sie schon von der Spanischen Inquisition verfolgt wurden, beweist, welch große Bedeutung die jüdischen Gemeinden der Erhaltung ihrer Tradition beimaßen, indem sie eine genaue und reich verzierte Bibel anfertigen ließen.

Das Manuskript wurde von Anfang an als Prachtbuch konzipiert. Zweihundertachtunddreißig 238 der 922 Seiten der Bibel sind mit leuchtenden Farben und glänzendem Blattgold und -silber dekoriert. Die Illumination ist ein lebendiger Ausdruck der Verspieltheit und des Humors des Künstlers Joseph Ibn Hayyim.

Abraham Ibn Hayyim, aus derselben Künstlerfamilie, verfaßte eine Abhandlung in portugiesischer Sprache über das Mischen der Farben für illuminierte Manuskripte.

Die hochstilisierten Figuren, die in ihrer Abstraktheit fast modern anmuten, erfreuen das Auge durch ihren Farbenreichtum und die Vielfalt ihrer Komposition. Die zoomorphischen und anthropomorphischen Buchstaben im Kolophon des Künstlers sind ein Beweis seiner reichen Phantasie.

Joseph Ibn Hayyim schuf in seinem eigenwillig ausgeprägten Stil ein einzigartiges Meisterwerk, indem er, von der Cervera Bibel inspiriert, ihre Stilelemte mit den zeitgenössischen Methoden verband. König David auf seinem Thron, Jonas wie er vom Wal verschluckt wird oder Balaam, der Astrologe der durch ein Astrolabium schaut, um nur einige der vielen Textillustrationen in der Kennicott Bibel zu erwähnen.

Selbst David Kimchis Abhandlung Sefer Mikhlol wurde nicht als nüchterner Text kopiert, sondern ist am Anfang und Ende mit herrlich geschmückten Arkadenseiten versehen.

Der zeitgenössische lederne Schachteleinband hat außen eine wunderschöne Blindrahmenprägung und ist innen mit farbigem Leder ausgeschmückt. Seine Motive sind ähnlich denen auf den verschlungenen bunten Schmuckseiten, die die Bibel in ihre drei Hauptteile trennen: den Pentateuch, die Propheten und die Hagiographen.

Die Produktion des gesamten Manuskripts, von der Zubereitung der Pergamentbogen bis zum letzten Arbeitsgang des Bindens, zeugt von der engen Zusammenarbeit zwischen dem Schreiber Moses Ibn Zabara, dem Illuminator Joseph Ibn Hayyim und dem Schutzherrn Isaac di Braga. Der verstorbene Cecil Roth nennt es zu Recht 'Ein Meisterwerk Mittelalterlicher Spanischer Jüdischer Kunst' und hält es für 'eines der schönsten erhaltenen hebräischen Manuskripte.'

MS Kennicott 1, wie es heute bezeichnet wird, ist nach Benjamin Kennicott benannt, dem englischen christlichen Hebraisten, der in Oxford studierte und den größten Teil seines Lebens (1718-1783) dort tätig war. Als Kanonikus von Christ Church, Oxford, setzte er die englische Tradition des hebräischen Bibelstudiums fort. Seine Pionierarbeit, die Vergleichung der Textvarianten der hunderten von hebräischen Manuskripten auf der ganzen Welt, wurde in seiner Dissertatio Generalis veröffentlicht. Im laufe seiner Arbeit erwarb er 1771 dieses Manuskript für die Radcliffe Library und von dort wurde es 1872 an die Bodleyanische Bibliothek übergeben.

Seither haben nur wenige Kunstgeschichtler und Gelehrte das Privileg genossen, die Kennicott Bibel zu studieren, da sie eine der kostbarsten Schätze der Bodleyanischen Bibliothek ist.

Die numerierte Faksimile-Ausgabe

Bei der Reproduktion der Kennicott Bibel hat Facsimile Editions in enger Zusammenarbeit mit der Bodleyanischen Bibliothek eine bei Faksimiles bisher nie dagewesene Qualität erreicht. Diese Qualität ist zu einem großen Teil dem ausgezeichneten Zustand des Originalmanuskripts zu verdanken, aber noch mehr dem unermüdlllichen Streben nach Vollkommenheit in jeder Phase der Herstellung.

Charles Braybrooke, Leiter der photographischen Abteilung der Bodleyanischen Bibliothek, überwand scheinbar unlösbare Probleme, wie zum Beispiel das Photographieren des Manuskripts innerhalb des Schachteleinbanes, ohne es zu beschädigen. Um die Leuchtkraft der vielen Farben wiederzugeben, die der Künster vor über 500 Jahren benutzte, wurde lichtweißes Glas hergestellt. Jedes Diapositiv wurde mit dem Original auf seine Farbtreue hin verglichen, dann wurden Computer-gelenkte Laser-Abtaster benutzt, um vor dem Druckvorgang die feinsten Farbunterschiede herauszuarbeiten. Diese Methode war unumgänglich, denn der Künstler hatte oft bis zu 24 verschiedene Farben auf einer Fläche von 2½ cm verwendet.

Um solche Feinheiten genau zu reproduzieren, bedurfte es einer außerordentlichen Präzision. Facsimile Editions machte eine Firma in Italien ausfindig, die seit Generationen die Kunst der Druckmeister in hochentwickelter Form ausübt. Diese betrachtete den Neudruck des Manuskripts als edle Aufgabe, und die gesamte Belegschaft bemühte sich unentwegt, ein Werk unvergleichlicher, vollendeter Schönheit zu schaffen. Geschicklichkeit, Einsatz und Integrität des Druckers gewährleisteten eine genaue Reproduktion des reichen Gold- und Silberschmucks wie auch der subtilen und doch kräftigen Farben der hunderten von illuminierten Seiten. Um diese Wirkung zu erzielen, wurden viele Arbeitsgänge in ungewöhnlichen Kombinationen angewandt.

Gleichermaßen waren die Verleger dieses Druckwerks nicht zufrieden, nur das ußere des Pergamentes nachzuahmen. Die Original-Foliobogen wurden sorgfältig untersucht und nach ihrer Dicke, ihrem Gewicht und ihrer Lichtdurchlässigkeit gemessen. Mehrere Papiermühlen in verschiedenen Ländern der Welt wurden ausfindig gemacht, um nicht nur diese technisch bestimmbaren Eigenschaften des Pergaments zu reproduzieren, sondern auch die eigentümliche Art, wie es sich anfühlt. Einer des ältesten Mühlen gelang es, ein Papier zu produzieren, das dem Pergament so ähnlich war, dass man es vom Original kaum unterscheiden konnte.

Die Reproduktion des Einbandes war das schwierigste Problem, denn heute gibt es auf der Welt nur noch wenige Buchbindewerkstätten, die den Original-Schachteleinband reproduzieren können.

Der Stil des Einbandes, mit ins kleinste Detail gehenden Bossierungen auf allen sechs Flächen, ist ausgesprochen selten, aber es ist eben dieser einzigartige Einband, der das Manuskript über mehr als ein halbes Jahrtausend in seiner Schönheit erhalten hat.

Jedes Exemplar hat handgenähte obere und untere Kapitalbänder, und die Blätter, deren Ränder mit 24 Karat Blattgold vergoldet sind, wurden im selben Muster wie das Original gaufrieit. Nachdem das komplizierte Design der Schachtel in allen Einzelheiten genau nachgearbeitet wurde, benutzte man handgeschnittene Messingprägestempel zur Bossierung der weichen Ziegenleder. Dieser sehr zeitraubende und kostspielige Vorgang wurde von Meistern ihrer Handwerks in einem kleinen Atelier vor Mailand ausgeführt. Damit war dem Faksimile das Siegel der Vollendung aufgedrückt, daß es des Originales würdig machte.

Jedes Exemplar des Faksimiles wird individuell gebunden und die Nummer unauffällig auf die Innenseite des Deckels gedrückt. Die Auflage ist auf 550 Examplare weltweit begrenzt.

Das Faksimile der Kennicott Bibel wurde aus den edelsten Materialien hergestellt und die vollständige Bibel samt den grammatischen Anmerkungen ist so deutlich lesbar, als sei sie soeben geschrieben worden. Es ist daher die aufrichtige Hoffnung der Verleger, daß auch die nächsten Generationen Freude an der Kennicott Bibel haben werden und sich bei der Benutzung an ihrer künstlerischen Vollendung ergötzen.

Professor Bezalel Narkiss

Die Abhandlung über die Kennicott Bibel und ihre Illuminationen wurde von Professor Bezalel Narkiss eigens für dieses Faksimile verfaßt.

Professor Narkiss wurde 1926 in Jerusalem geboren und hat sein akademisches Schaffen in den Dienst der jüdischen Kunst gestellt. Er gilt auf der ganzen Welt als Kapazität auf dem Gebiet hebräischer illuminierter Manuskripte. Seine Ausbildung erhielt er an der Hebräischen Universität Jerusalem und an den Warburg und Courtauld Instituten der University of London. Heute ist er Professor fur mittelalterliche und jüdische Kunst an der Hebräischen Universität.

Er ist Gründer und Direktor des Centre for Jewish Art, Redaktor des Journal of Jewish Art und Anreger des umfassenden Index Jüdischer Kunst. Er ist der Autor des 1969 erschienenen allgemeinen Werks Hebrew Illuminated Manuscripts, und kürzlich erschien der erste Band des massgeblichen Catalogue of Hebrew Illuminated Manuscripts in the British Isles. Professor Narkiss schrieb überdies die Einführungen zu mehreren Faksimiles hebräischer Manuskripte, wie der westjüdischen Golden Haggadah in der British Library und der askenasischen Machzor Lipsiae in der Bibliothek der Universität Leipzig.

Die Abhandlung über die Kennicott Bibel wurde in Zusammenarbeit mit seiner Kollegin Dr. Aliza Cohen-Mushlin verfasst, deren Buch The Making of a Manuscript die Ausbildung von elf Schreibern und Künstlern im Deutschland des 12. Jahrhunderts behandelt, die die lateinische Wormser Bibel schufen, welche nun in der British Library aufbewahrt wird.

Die Einführung

Die Einführung zur Kennicott Bibel ist eine Beschreibung des äußeren Erscheinungsbildes des Manuskripts und eine Geschichte ihrer Herstellung und ihres Programms. Jedes einzelne Bild wird auf Inhalt und Ursprung hin untersucht. In einem besonderen Kapitel wird der einzigartige Stil von Joseph Ibn Hayyim behandelt und im Zusammenhang mit der älteren und zeitgenössichen spanischen Kunst interpretiert.

Auf einer Basis gründlicher Fachkenntnisse wird hier auf allgemeinverständliche Weise eine faszinierende Geschichte erzählt, die der Fachwelt wie auch dem interessierten Laien den Zugang zum Original der Kennicott Bibel verschafft und die Produktion des Faksimiles im Wert steigert.

Die Einführung befindet sich in einem getrennten Band im selben Format wie das Faksimile, mit vielen zusätzlichen Illustrationen als Vergleichsmaterial. Der Einband ist aus feinstem Ziegenleder passend zur Bibel selbst. Beide Bände liegen in einer Portfolio-Repräsentationsbox, die wiederum von einer besonders für diesen Zweck entworfenen Versandkiste geschützt wird.

Spezifikation

Kodikologie

Papier

Des Pergament-Papier, Gegenstand eingehender Nachforschungen, wurde besonders und ausschliesslich für diesen Zweck in Italien hergestellt. Besondere Sorgfalt wurde darauf verwendet, dieses Papier mit einem neutralen pH zu präparieren.

Druck

Offset Lithographien in 9 Farben. Das Gold und Silber wird dann einzeln mit der Hand auf die Illuminationen aufgetragen.

Einband

Die Holztafeln sind mit feinem marokkanischen Ziegenleder bezogen. Das verschlungene geometrische Muster auf allen sechs Seiten ist mit handgeschnittenen Messingprägestempeln bossiert. Das Faksimile ist handgenäht und in die Schachtel eingeschnürt, mit 24 Karat Blattgold vergoldet und rundherum gaufriert. Format 310mm x 265mm x 110mm.

Edition

Streng begrenzt auf 500 numerierte und 50 'ad personum' Exemplare. Jeder Band ist mit winzigen Stahlprägestempeln mit der Hand unauffällig innerhalb des Ledereinbands numeriert.

Nach Fertigstellung werden die Druckplatten vernichtet, womit der bedeutende Investitionswert jedes Exemplars gewährleistet ist.

Einführung

Die ausführliche illustrierte wissenschaftliche Abhandlung von Professor B. Narkiss und Dr. A. Cohen-Mushlin ist passend zum Faksimileband in feinstem Ziegenleder gebunden. Format 310mm x 265mm. Beide Bände liegen in einer luxuriösen Portfolio-Repräsentationsbox, die wiederum in einem eigens zu diesem Zweck entworfenen Versand-Schutzbehälter aufbewahrt wird.