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Zeitung Artikel - Mittelbadische Presse

Dienstag / Mittwoch, 2./3. Oktober 2001

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Silvia
Die >>Offene Zweirbeziehung<< fordert Silvia Schindler richig heraus
Die 23-jährige Silvia Schindler in der >>Offenen Zweierbeziehung<< in der Aufführung der Burgbühne die Antonia. Das wird spannend: Die Rolle der am Ende höchst selbstbewussten Frau will so gar nicht passen zu der zurückhaltenden Renchenerin.

Von Ingo Günther

Oberkirch. >>Nein!<< So ähnlich, nur eher mit drei oder fünf Ausrufungszeichen, muss der Aufschrei von Silvia Schindler geklungen haben, als sie das Stück las, in dem sie die Hauptrolle übernehmen sollte - >>Offene Zweierbeziehung<< von Dario Fo und seiner Frau Franca Rame.
Schon im vergangenen Jahr hatte Regisseurin Johanna Graupe von der Burgbühne die 23-Jährige behutsam gewarnt: >>Auf dich habe ich bald ein Attentat vor.<<
So kam das Silvia Schindler dann wirklich vor, als die Regisseurin mit ihren Besetzungsplänen herausrückte. >>Ich spiele alles, aber das doch nicht<<, hat sie zuerst gedacht. Aber Johanna Graupe überzeugte sie - und redete ihr auch aus, auf der Bühne eine Perücke zu tragen.

Erste Hauptrolle

Dennoch, die Figur der Antonia, ihre erste Hauptrolle an der Burgbühne, sieht Silvia Schindler immer noch als Herausforderung. >>Da muss ich reinfinden, aus mir herausgehen und Aggressionen loswerden<<, stellt sie selbst fest.
Aggressionen? Die vermutet ja kaum, wer Silvia Schindler erlebt, wenn sie, blond, engelslockig, ein bisschen zu leise sagt: >>Das habe ich noch nie gemacht<< - ein Interview mit der Zeitung nämlich. Und die Männer-Kannibakin ahnt nun wirklich niemand in der Renchenerin, der beim Foto-Termin immer wieder die Arme militärisch an die Hosennaht rutschen und die akribisch darauf achtet, dass stets das Kreuz am Kettchen deutlich sichtbar über

ihrem Pullover baumelt. Die, so mutmaßt man unwillkürlich, war in der Schule eine von den ganz Stillen hinten in der letzen Reihe - und ist möglicherweise auch der Typ, der in Depressionen verfällt, wenn ihr Antonia, die sie spielen wird.
Aber dass sie sich daraufhin ihrerseits einen Lover sucht, wie die Antonia - das muss eine wirklich aufregende Verwandlung auf der Bühne werden. Reizvoll auch für die Darstellerin selbst: >>Das ist ja das Schöne am Theater.<< Sagt Silvia Schindler. >>Man kann einfach mal jemand ganz anderes sein.<<

Doppelter Boden

So gesehen ist die >>Offene Zweierbeziehung<< genau das Richtige für sie. Ein höchst erfolgreiches Stück, dieses Zwei-Personen-Drama mit eingebautem doppelten Boden. Seit 1984 läuft die boulevardeske, aber fachmännisch tiefer gelegte Komödie an deutschen Bühnen rauf und runter - und zieht die Zuschauer immer noch in ganzen Horden an.
Aktuell sind es mindestens 25 Theater in Deutschland, in denen sich das Publikum ergötzen darf am Geschlechterkampf eines Ehepaars: Der Mann will seine bessere Hälfte Antonia überzeugen von den Vorzügen der freien Liebe, um seine Seitensprünge zu rechtfertigen. Bis er es schließlich schafft - und dann vor Eifersucht in Depressionen untergeht, weil Antonia sich tatsächlich einen potenten Liebhaber angelt….
Erzählt wird das Stück im Rückblick der vom unterdrückten Weibchen zum Vamp mutierten Antonia, die sich zwischen den einzelnen Szenen immer wieder direct an das Publikum wendet.

Erfolgreiche Produktion

Schon 1993 hat die Burgbühne die >>Offene Zweierbeziehung<< aufgeführt. Gemessen an der Zahl der Besucher, war es eine ihrer erfolgreichsten Produktionen. Arthur Hilberer, der schon damals den Ehemann spielte, schlüpft jetzt wieder in seine alte Rolle - aber für die Antonia musste sich Regisseurin

Johanna Graupe etwas einfallen lassen. Die frühere Darstellerin Birgit Schmiederer steht nämlich nicht mehr zur Verfügung.
Silvia Schindler stieß vor drei Jahren zur Burgbühne - beim Musical >>Linie 1<< wurde damals eine Sängerin gesucht für die Rolle der traurigen, ungeliebten Maria. So kam's: Silvia Schindler nahm damals gerade Gesangsunterricht.
Das Singen ist eines ihrer Hobbys, neben der Schauspielerei und dem Querflötespielen. Die Jung-Schauspielerin ist gelernte Arzthelferin, beginnt aber jetzt eine zweijährige Ausbildung zur Fachlehrerin für Kunst, Musik und Hauswirtschaft. Noch eine Verwandlung.

Bis jetzt brav

Einmal für die Bühne entdeckt, folgten Auftritte in >>Othello darf nicht sterben<< und in >>Mein Freund Harvey<< - da gab sie die Tochter und die Nichte: brave, blonde, liebe Mädchen. Das waren Rollen, die man von ihr erwartet hätte.
>>Silvia als Antonia, das ist dagegen schon eine Besetzung gegen den Strich<<, bestätigt Regisseurin Johanna Graupe, die richtige Wahl getroffen zu haben. >>Sie muss eben ihre garstige Seite herausholen. Aber das kann sie auch.<< Was aus der Sicht der Regisseurin ganz eindeutig für Silvia spricht: >>Die Rolle erfordert ja auch etwas Verführerisches - und das bringt sie eben schon mit.<<
Ihr Kreuz am Kettchen wird Silvia Schindler auf der Bühne jedenfalls nicht tragen.

Spielplan

Premiere der >>Offenen Zweierbeziehung<< am 4 Oktober im >>freche hus<<, Oberkirch. Weitere Aufführungen am 7., 14., 15., 19., 20. und 21. Oktober jeweils um 20 Uhr. Vorverkauf beim Kultur- und Verkehrsamt Oberkirch,
tel. 07802 / 82-2 46

Silvia.Schindler@gmx.de

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